
Wenn du in Innsbruck bist und einen Tag in den Bergen suchst, ist das Zillertal für mich die einfachste Antwort. Ich fahre seit über zehn Jahren immer wieder hin – im Winter für die Pisten, im Sommer für die Höhenwege, im Frühjahr manchmal beides an einem Tag. Und ich sage dir gleich: Kein anderes Tal in der Nähe bietet so viel Auswahl an einem einzigen Ausflugstag.
Was das Zillertal von anderen Tälern unterscheidet
Das Zillertal ist das längste Seitental des Inntals und liegt östlich von Innsbruck. Wenn du auf der Karte schaust, siehst du sofort, was es besonders macht: Es ist nicht ein Tal mit einem Skigebiet, sondern ein ganzes System von Skigebieten und Bergbahnen, die vom Talanfang in Strass bis hinauf zum Hintertuxer Gletscher reichen. Mayrhofen, Hintertux, Zell am Ziller, Fügen, Kaltenbach – all das liegt in diesem einen Tal.
Der Hintertuxer Gletscher ist dabei der einzige Ganzjahres-Gletscher Österreichs. 365 Tage im Jahr Skibetrieb, auch mitten im August. Das gibt es sonst nirgendwo im Land.
Zum Vergleich: Das Stubaital ist kompakter, näher an Innsbruck und für einen schnellen Ausflug oft die klügere Wahl. Das Ötztal hat mit Sölden und Obergurgl auch große Namen, ist aber eher ein „ein Skigebiet nach dem anderen“ und nicht so verzahnt. Das Zillertal punktet mit Vielfalt – vom Familienhang bis zum Freeride-Terrain in Hintertux findest du hier alles, und das mit einem einzigen Skipass, dem Zillertaler Superskipass.
Anreise ab Innsbruck: Auto oder Bahn
Mit dem Auto nimmst du die A12 Richtung Osten, an Wattens und Schwaz vorbei, bis zur Ausfahrt Zillertal kurz vor Jenbach. Von Innsbruck bis zum Talanfang in Strass sind es je nach Verkehr ca. 45–60 Minuten. Danach beginnt die Talstraße (B169), und ab hier hängt die Fahrzeit stark davon ab, wie weit du willst: Bis Mayrhofen brauchst du insgesamt etwa 1,5 Stunden, bis Hintertux zusätzlich rund eine weitere Stunde.
Ein ehrlicher Hinweis: An Ski-Wochenenden im Winter und an heißen Sommer-Wochenenden staut es sich auf der Talstraße regelmäßig. Wenn du kannst, fahre unter der Woche oder sehr früh los. Ich starte im Winter meist um sieben Uhr in Innsbruck, dann bin ich zur Liftöffnung an der Talstation.
Ohne Auto ist die Bahn eine überraschend schöne Option. Du fährst mit dem ÖBB-Zug von Innsbruck Hauptbahnhof nach Jenbach (ca. 20 Minuten), dort steigst du in die Zillertalbahn um – eine Schmalspurbahn, die gemächlich das Tal hochzuckelt und bis Mayrhofen ca. eine Stunde braucht. Ohne Stress, mit Aussicht, und das Ambiente ist ein Erlebnis für sich. Insgesamt rechne mit rund 1,5 Stunden Innsbruck–Mayrhofen.
Sommer-Optionen: Wandern, Baden, Almen
Im Sommer fahre ich am liebsten nach Mayrhofen und nehme entweder die Ahornbahn oder die Penkenbahn hoch. Die Ahornbahn bringt dich zum sogenannten „Genießerberg“ – oben ist es weit, sonnig und relativ flach, ideal für gemütliche Rundwanderungen. Die Penkenbahn ist der actionreichere Gegenpol mit Panoramawegen und Blick auf die Zillertaler Alpen.
Für Ambitionierte ist der Berliner Höhenweg der Klassiker. Das ist allerdings kein Tagesausflug, sondern eine mehrtägige Hüttentour über die Hauptkette mit Übernachtungen in den Berliner-Hütten. Wenn du Bergerfahrung hast und den Olperer oder den Großen Möseler ins Auge fasst, ist das ein Projekt für einen ganzen Sommerurlaub – ich erwähne es hier, damit du weißt, was in dieser Region möglich ist.
Weiter im Osten, schon knapp in Salzburg, liegen die Krimmler Wasserfälle. Von Mayrhofen aus ist das ein Tagesausflug im Tagesausflug – lohnenswert, aber du solltest früh los und die Rückfahrtszeit realistisch einplanen.
Was ich fast noch mehr liebe als die Wanderungen: die Almenkulinarik. Im Tuxertal und rund um Mayrhofen gibt es Almhütten, wo dir Kaiserschmarrn, Kaspressknödel und selbstgemachte Buttermilch nach einer Wanderung serviert werden. Für viele Familien reicht schon eine kurze Wanderung von einer Bergstation zur nächsten Alm – und der Tag ist perfekt. Wenn du generell mehr Zeit in den Bergen rund um die Stadt verbringen willst, schau dir auch meinen Guide zum Wandern in Innsbruck an.
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Winter-Optionen: 500 km Skipisten mit einem Skipass
Der Zillertaler Superskipass verbindet die vier großen Skiregionen des Tals – Ski- und Gletscherwelt Zillertal 3000 (Mayrhofen + Hintertux), Zillertal Arena (Zell am Ziller und weiter), Spieljoch/Fügen und Hochzillertal-Hochfügen/Kaltenbach – zu über 500 Pistenkilometern. Ein einziger Pass, alle Lifte im Tal.
So sortiere ich die Skigebiete nach Vorlieben:
- Einsteiger und ruhige Tage: Fügen (Spieljoch) und Kaltenbach sind übersichtlich, sonnig und weniger überlaufen.
- Fortgeschrittene und Vielfahrer: Mayrhofen mit der Penken- und Ahornbahn. Die berühmte „Harakiri“ ist mit 78 % Gefälle die steilste präparierte Piste Österreichs – anschauen lohnt sich, runterfahren nur, wenn du wirklich sicher bist.
- Freeride: Hintertuxer Gletscher. Die Höhe bringt bis in den Frühling Pulverchancen, und die Varianten hinter dem Grat sind legendär.
- Familien: Zillertal Arena rund um Gerlos hat viele blaue Pisten, gute Skischulen und breite Anfängerhänge.
Wenn du Innsbruck als Basis hast und dir das Zillertal für einen Tag zu weit vorkommt, findest du in meinem Artikel zum Skifahren in Innsbruck auch die stadtnahen Gebiete wie Nordkette, Axamer Lizum und Patscherkofel im Vergleich. Für einen echten „großen Skitag“ allerdings – mit viel Vertikale und Kilometerfressen – ist das Zillertal die stärkere Karte.
Hintertuxer Gletscher: Ski im Sommer
Der Hintertuxer Gletscher ist eines dieser Ziele, die man mindestens einmal im Leben gemacht haben sollte. 365 Tage im Jahr Skibetrieb – auch im Juli und August. Die höchste Bergstation liegt auf ca. 3.250 Metern, und die Aussicht auf die Zillertaler und Tuxer Alpen ist bei gutem Wetter überwältigend.
Im Sommer triffst du dort oben oft die Nationalteams beim Trainingslager – Slalomstangen zwischen tiefblauem Himmel und weißem Firn, während unten im Tal 25 Grad herrschen. Wenn du keine Ski dabei hast, kannst du die Gletscherbahn auch einfach für die Aussicht nehmen und an der Bergstation die Natur-Eis-Palast-Führung machen – eine spaltentiefe Höhle mit blau schimmerndem Gletschereis.
Ein Praxis-Tipp: Nimm eine warme Jacke mit, auch im Hochsommer. Oben ist es oft 15–20 Grad kälter als im Tal, und Wind kommt fast immer dazu. Skiverleih gibt es an der Talstation, wenn du spontan hoch willst.
Wo essen im Zillertal?
Im Tal selbst findest du solide, traditionelle Wirtshäuser – in Zell, Mayrhofen und Hippach zum Beispiel. Ich frühstücke meist unten, weil es günstiger und meist besser ist als das Bergstationsangebot.
Der eigentliche Höhepunkt sind aber die Almhütten. Rund um Mayrhofen mag ich die klassischen bewirtschafteten Hütten oberhalb der Ahorn- und Penkenbahn – Grüne-Wand-Hütte im Zillergrund, die vielen Marendhütten und Almen entlang der Wanderwege. Erwartet euch keine Sterneküche, sondern ehrliche Tiroler Klassiker: Kaspressknödel, Gröstl, Kaiserschmarrn, Speckbrettl.
Kalkulieren: Ein Almmittag kostet mit Getränk ca. 20–30 € pro Person. Reservieren im Sommer an Sonntagen und in der Wintersaison mittags fast überall Pflicht.
Praktische Tipps
- Beste Zeit im Sommer: Juli bis Mitte September. Vorher liegt oben oft noch Altschnee, danach schließen viele Almhütten.
- Beste Zeit im Winter: Ende Januar bis Mitte März. Schneesicher, längere Tage als im Dezember, meist stabileres Wetter.
- Stau vermeiden: An Winter-Wochenenden und in den Weihnachtsferien staut sich die B169 gerne. Früh los oder unter der Woche fahren.
- Skipass für einen Tag: Ein Tages-Skipass für Mayrhofen oder Hintertux kostet in der Hauptsaison ca. 70–75 €. Der Superskipass lohnt sich erst ab drei Tagen.
- Wenn du das ganze Tal sehen willst: Ehrlich gesagt reicht ein Tag nicht. Mayrhofen und Hintertux allein füllen jeweils einen kompletten Tag. Wenn dich das Zillertal packt, plane besser gleich zwei Tage mit Übernachtung in Mayrhofen oder Zell.
- Wetter checken: Das Wetter im inneren Zillertal kann sich vom Inntal deutlich unterscheiden. Ich schaue morgens immer die Webcams der Bergstationen, bevor ich losfahre.
- Bahn oder Auto: Wenn du nur nach Mayrhofen willst, ist die Bahn wirklich entspannt. Willst du bis Hintertux oder ins Zillergrund, ist das Auto klar im Vorteil.
FAQ
Ist die Anreise mit dem Auto oder der Bahn besser? Kommt drauf an, wohin. Bis Mayrhofen ist die Bahn (Zillertalbahn ab Jenbach) sehr angenehm und du sparst dir die Parkplatzsuche. Für Hintertux, Zillergrund oder wenn du früh los willst, ist das Auto flexibler. Ich wechsle je nach Ziel.
Muss ich Skiverleih vorher buchen? In der Hauptsaison (Weihnachten, Fasching, Ostern) und an Samstagen: ja. Sonst reicht es, wenn du eine Stunde vor Liftöffnung an der Talstation bist. Online buchen ist meist ca. 10 % günstiger.
Wie lange braucht die Zillertalbahn? Von Jenbach bis Mayrhofen etwa eine Stunde. Sie hält an vielen Ortschaften unterwegs. Von Innsbruck aus rechne insgesamt mit ca. 1,5 Stunden bis Mayrhofen – ideal zum Lesen oder Zeitung schauen.
Ist das Zillertal familientauglich? Sehr. Die Zillertal Arena ist die klassische Familienoption im Winter, im Sommer punkten die Ahornbahn (kinderwagentauglich oben) und Erlebnisrouten wie der Freizeitpark Hintertux. Almen sind fast überall kinderfreundlich, und die Zillertalbahn ist für kleine Kinder ein Abenteuer für sich.
Wie ist das Wetter im Frühling? Wechselhaft. Im April kann es unten grün und blühend sein und oben noch bester Schnee liegen – das ist tatsächlich meine Lieblingszeit für Hintertux. Aber pack Schichtenkleidung ein, denn die Temperaturunterschiede zwischen Tal (15 °C) und Gletscher (–5 °C) sind extrem.
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