
Wenn mich Freunde fragen, was sie neben Innsbruck unbedingt sehen sollen, sage ich fast automatisch: Hall in Tirol. Ich fahre seit über zehn Jahren regelmäßig die zehn Kilometer nach Osten – mal mit dem Rad am Inn entlang, mal ganz spontan mit der S-Bahn – und komme immer entspannter zurück, als ich losgefahren bin. Hall ist eine dieser Städte, die man kaum auf dem Schirm hat, bis man einmal durch die Gassen gelaufen ist und sich fragt, warum eigentlich alle nur nach Innsbruck kommen.
Warum Hall in Tirol lohnt
Kurz gesagt: Weil Hall alles hat, was die Innsbrucker Altstadt auch hat – nur eine Nummer kleiner, deutlich ruhiger und ohne die Reisebus-Warteschlangen am Goldenen Dachl. Hall in Tirol besitzt die zweitgrößte mittelalterliche Altstadt Österreichs, gleich hinter Wien. Das ist keine Marketingfloskel, das sieht man beim ersten Rundgang: eng verwinkelte Gassen, spätgotische Bürgerhäuser mit farbigen Fassaden, Erker, kleine Innenhöfe, eine Stadt auf mehreren Ebenen den Hang hinauf.
Der Unterschied zu Innsbruck ist für mich vor allem einer der Atmosphäre. In Innsbruck spürt man die Landeshauptstadt: viel los, viele Sprachen, viel Verkehr rundherum. In Hall dagegen sitzen die 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner im Sommer auf dem Hauptplatz, es klappern Kaffeetassen, und außer ein paar Tagesgästen ist wenig Trubel. Ehrlich gesagt: Hall wirkt weniger poliert und dadurch für mich glaubwürdiger.
Historisch spannend ist der Ort ohnehin. Reich geworden ist Hall durch das Salz – über Jahrhunderte wurde hier aus der Sole des Halltals ein Vermögen gesiedet. Und weil so viel Silber und Salzhandelsgeld zusammenkam, wurde in der Burg Hasegg der berühmte Haller Taler geprägt, der Vorläufer des Dollars. So viel Weltgeschichte auf so kleinem Raum – das gibt es in Tirol sonst nirgends.
Anreise ab Innsbruck: Auto, S-Bahn, Rad
Das Schöne an Hall: Die Anreise ab Innsbruck ist so unkompliziert, dass sich der Ausflug wirklich als spontane Halbtagesidee eignet. Ich nutze je nach Wetter und Laune drei Varianten.
Mit dem Auto bin ich über die A12 in rund 15 Minuten vom Innsbrucker Zentrum am Ortsrand von Hall. Ausfahrt Hall-Mitte, ein paar hundert Meter, und schon steht man vor den ersten Parkhäusern am Unteren Stadtplatz. Parkhäuser deshalb, weil die Altstadt selbst weitgehend autofrei ist – was den Rundgang deutlich angenehmer macht.
Ohne Auto ist die S-Bahn meine klare Empfehlung. Vom Innsbrucker Hauptbahnhof fährt sie in ca. 20 Minuten direkt nach Hall in Tirol, im Halbstundentakt, und ist damit fast schneller als mancher Stau am Freitagnachmittag. Vom Bahnhof Hall läuft man knapp zehn Minuten leicht bergauf in die Altstadt. Für Städtereisende ohne eigenes Fahrzeug ist das die stressfreiste Variante, und ich rate klar zu dieser Option – Details zur Zuganreise findest du auch in meinem Beitrag zur Anreise nach Innsbruck.
Meine Sommer-Lieblingsvariante ist aber das Fahrrad. Der Innradweg führt fast durchgehend flach und asphaltiert am Fluss entlang, in ca. 1 Stunde entspannt bist du in Hall. Rückweg mit den müden Beinen? Rad in die S-Bahn und heimrollen. Perfekt.
Die Highlights im Detail
Hall ist kompakt. Man kann alle wichtigen Stationen bequem zu Fuß verbinden, ohne einmal in einen Bus zu steigen. Ich gehe die Highlights hier so durch, wie ich sie selbst am liebsten hintereinander laufe.
Die Münze Hall
Die Münze Hall ist der Ort, an dem für mich der Groschen fällt – im wahrsten Sinn. Ab 1477 wurde in der Haller Münzstätte erstmals in großer Zahl ein Silberpfennig geprägt, der später als „Taler“ um die Welt gehen sollte. Das Wort „Dollar“ leitet sich davon ab. Was heute nach Nebensache klingt, war damals eine Revolution: eine belastbare, hochwertige Silbermünze, die dem europäischen Handel eine feste Währung gab.
Im Museum in der Burg Hasegg wird das mit einer Mischung aus historischen Objekten, Modellen und multimedialen Stationen erzählt – für mich eines der am besten gemachten kleinen Museen Tirols. Das eigentliche Highlight ist aber die Schaumünzprägestätte: Hier kannst du dir gegen Aufpreis deinen eigenen Silbertaler prägen lassen, mit der originalen Prägetechnik, wie sie vor 500 Jahren funktioniert hat. Kostet ca. 30 Euro und ist das schönste Mitbringsel, das ich mir für Tirol vorstellen kann. Wer mit Kindern kommt: Die Reaktion auf den ersten frisch geprägten Taler ist jedes Mal Gold wert. Öffnungszeiten variieren saisonal, in der Regel Di–So von ca. 10 bis 17 Uhr – vor der Anreise kurz auf der Website prüfen.
Burg Hasegg + Münzerturm
Die Münze steckt in einer echten Burg: der Burg Hasegg, direkt am südöstlichen Rand der Altstadt. Ursprünglich schützte sie den Salzhandel und die Innschifffahrt, später wurde sie zur Münzstätte umgebaut. Wer den Museumsrundgang mit dem Aufstieg auf den Münzerturm kombiniert, bekommt einen der schönsten Panoramablicke der Region – hinaus über Hall, hinüber zur Nordkette, hinein ins Inntal Richtung Innsbruck.
Der Turm hat 47 Meter Höhe und ist über eine schmale Treppe zu erklimmen. Für gute Fußgänger kein Problem, für kleine Kinder oder Menschen mit Höhenangst eher grenzwertig. Oben wartet neben der Aussicht ein achteckiger Kuppelraum, den ich beim ersten Besuch schlicht übersehen habe – auf den zweiten Blick sieht man, wie ungewöhnlich diese Turmarchitektur für Tirol ist. Tipp: nicht mittags hoch, sondern eher am späten Nachmittag, wenn das Licht schon warm über den Dächern liegt. Fotos werden dann deutlich schöner. Eintritt zusammen mit Museum ca. 12 Euro, Familientickets gibt es.
Stadtpfarrkirche St. Nikolaus
Die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus thront ein paar Meter oberhalb des Oberen Stadtplatzes und wirkt von außen fast schroff. Innen dann die Überraschung: ein imposanter, mehrschiffiger spätgotischer Raum, dessen Grundriss durch die Hanglage leicht schräg wirkt – was der Kirche bis heute etwas Eigenwilliges gibt.
Was mich immer wieder beeindruckt: der Kontrast zwischen der klaren gotischen Grundform und den barocken Umgestaltungen späterer Jahrhunderte. Die Waldaufkapelle mit ihren Reliquien lohnt einen längeren Blick, und in den Seitenkapellen entdeckt man bei ruhigem Wetter selbst nach vielen Besuchen noch Details. Der Eintritt ist frei, und ich empfehle, kurz Platz zu nehmen und die Akustik wirken zu lassen – die Kirche wird regelmäßig für Konzerte genutzt, und man hört sofort warum. Bitte auf laufende Gottesdienste achten und dann respektvoll draußen warten.
Der Hauptplatz + Altstadt-Rundgang
Der Obere Stadtplatz ist das Herz von Hall und für mich einer der schönsten Plätze in ganz Tirol. Er ist nicht rechteckig, sondern angenehm unregelmäßig geformt, umringt von pastellfarbenen Bürgerhäusern mit Erkern und schmalen Gassen, die sternförmig weglaufen. Auf dem Platz stehen im Sommer die Terrassen von Cafés und Restaurants, im Advent ist hier ein sehr charmanter kleiner Christkindlmarkt – ehrlicher und leiser als der große Markt in Innsbruck, den ich in meinem Christkindlmarkt-Beitrag beschreibe.
Für den Rundgang plane ich immer ca. eine Stunde ein. Vom Oberen Stadtplatz führen die Salvatorgasse und die Sparkassengasse hinunter Richtung Unterer Stadtplatz, das Rathaus mit gotischer Ratsstube ist von innen sehenswert (kostenlos), die Herz-Jesu-Basilika lohnt einen Zwischenstopp. Wer Zeit hat, geht ohne Plan – man verläuft sich in Hall nie ernsthaft, jede Gasse führt irgendwann wieder zu einem der beiden Plätze.
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Salzberg-Werk oberhalb der Stadt
Wer noch tiefer ins Thema Salz einsteigen will, sollte einen Blick auf das Bergbaumuseum werfen, das an das ehemalige Salzberg-Werk oberhalb der Stadt erinnert. Der historische Salzabbau im Halltal lieferte Jahrhunderte lang den Reichtum, aus dem Hall überhaupt erst wurde, was es heute ist. Das Museum in der Fürstengasse zeigt originale Werkzeuge, ein detailgetreues Stollennachbau-Modell und viele Alltagsobjekte der Salzknappen.
Sehr empfehlenswert ist die Kombination mit einem kurzen Spaziergang Richtung Halltal – der Weg führt aus der Stadt hinaus, vorbei am ehemaligen Sudhausareal, und bietet einen schönen Rückblick auf die Altstadt und die Nordkette dahinter. Für den Museumsbesuch selbst würde ich ca. 1 Stunde einplanen, für den Kombi-Ausflug mit Spaziergang eher 2–3. Wer Zeit hat: sehr lohnend, weil die Geschichte plötzlich viel greifbarer wird.
Wo essen und Kaffee trinken in Hall
Ich sage es ehrlich: Hall ist kulinarisch nicht Innsbruck. Die Auswahl an Restaurants und Cafés ist deutlich kleiner, und wer eine ausgefeilte Fine-Dining-Szene sucht, wird eher enttäuscht. Genau das macht aber auch den Charme aus – die Lokale, die es gibt, sind fast alle inhabergeführt und ehrlich in dem, was sie tun.
Am Oberen Stadtplatz sitze ich am liebsten in einem der klassischen Kaffeehäuser mit Terrasse und beobachte, wie das Stadtleben stundenlang gemütlich weiterläuft. Ein Melange kostet ca. 4,50 Euro, ein Stück Kuchen ca. 5 Euro – vergleichbar mit Innsbruck. Für ein warmes Essen empfehle ich die traditionellen Tiroler Wirtshäuser rund um den Platz: Kasspatzln, Gröstl, Wiener Schnitzel, gute Portionen zu fairen Preisen. Hauptgericht ca. 15–22 Euro. Wer Lust auf einen tieferen Überblick über die regionale Küche hat, findet den in meinem Beitrag über Tiroler Küche.
Ein Tipp: Sonntags ist deutlich weniger geöffnet als in Innsbruck. Wenn du am Sonntag kommst, vorher kurz prüfen, wo dein Wunschlokal wirklich Betrieb hat.
Halbtags oder Ganztags? Meine Zeit-Empfehlung
Für einen Kern-Besuch – Altstadtrundgang plus Münze Hall – reichen 3 bis 4 Stunden völlig aus. Das ist die Variante, die ich Besucherinnen und Besuchern empfehle, die nur einen halben Tag Innsbruck-Pause suchen. Anreise mit der S-Bahn, Rundgang, Museum, eine ausgiebige Kaffeepause am Platz, zurück – passt locker in einen Vormittag oder Nachmittag.
Wer das Salzberg-Bergbaumuseum, den Aufstieg auf den Münzerturm und ein ausgedehntes Mittagessen dazu nimmt, sollte eher 6 Stunden einplanen. Das wird dann ein sehr entspannter, voller Tag.
Ein ehrlicher Rat noch: Ich würde Hall nicht am selben Tag mit der Innsbrucker Altstadt kombinieren. Beide sind mittelalterlich, beide haben spätgotische Kirchen und Bürgerhäuser – zusammen an einem Tag verwaschen sich die Eindrücke, und man wird beiden nicht gerecht. Besser: einen Tag Innsbruck-Zentrum, einen Halbtag Hall.
FAQ
Wie sind die Öffnungszeiten der Münze Hall? Meist Di–So von ca. 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen. Die Zeiten variieren saisonal, im Winter sind sie oft etwas kürzer. Vor der Anreise unbedingt kurz auf der offiziellen Website prüfen, gerade an Feiertagen.
Ist Hall in Tirol familientauglich? Sehr. Die Altstadt ist weitgehend autofrei, die Münze bietet Kindern mit der Schaumünzprägung ein echtes Aha-Erlebnis, und die Wege sind kurz. Für Kinderwagen sind die kopfsteingepflasterten Gassen etwas ruppig, aber machbar. Wer weitere Familientipps sucht, findet sie in meinem Beitrag Innsbruck mit Kindern.
Gibt es Fahrradverleih ab Innsbruck? Ja, in Innsbruck gibt es mehrere klassische Leihstationen und E-Bike-Verleiher rund um den Hauptbahnhof und die Altstadt. Preise für ein einfaches Tourenrad ca. 20–25 Euro pro Tag, E-Bike ca. 35–45 Euro. Für den Innradweg reicht ein normales Rad locker.
Lohnt sich Hall auch am Sonntag? Ja, für den Rundgang und die Kirche auf jeden Fall. Die Münze Hall ist sonntags meist geöffnet, viele kleinere Läden dagegen nicht. Für einen Sightseeing-Tag ist der Sonntag gut, für einen Shopping-Bummel nicht.
Kann ich mit der Innsbruck Card nach Hall? Der Regionalverkehrsverbund ist eigenständig – die Innsbruck Card gilt nicht automatisch für die S-Bahn Richtung Hall. Details findest du in meinem Überblick zur Innsbruck Card. Für einen Halbtagesausflug ist ein normales VVT-Ticket ohnehin oft günstiger.
Weiterlesen
- Die Innsbrucker Altstadt: Ein historischer Rundgang
- Top-Sehenswürdigkeiten in Innsbruck: Ein Reiseführer
- Anreise nach Innsbruck
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